www.mein-Fang.de – Das Online Anglermagazin Berichte - Zum Hechtangeln in Ronneby 2008
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Hechtfischen Rooneby

Zum Hechtangeln in Ronneby 2008

… von Platzhirschen und Big Mamas im schwedischen Schärenland

Martin, 09.07.10

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Die Vorgeschichte Schweden 2008. Wir – das waren Sven „Forellenfreund“, sein Boot „Froggy“ und ich - hatten uns wirklich Großes vorgenommen, dieses Mal sollte es so richtig krachen! Daher standen zwei Wochen Spinnfischen in den schwedischen Schären auf dem Programm.

Die erste Woche in Südschweden/Ronneby auf dickere Hechte und dann noch mal eine Woche im 300km nördlicher gelegenen Västervik mit „Stückzahlambitionen“. Nun gut, so
weit der Plan. Bis zum Reisestart bangten wir um das Wetter. Zunächst blieb das gewohnte Eis aus, dann wurde es für Ende März ungewöhnlich kalt. Doch kurz vor der Abreise waren wir sehr zuversichtlich: Die Temperaturen stiegen kontinuierlich, die Wassertemperatur dürfte gerade bei Ankunft in den flachen Buchten
5°C und mehr erreichen…

Die Anreise 28.03.2008
Na endlich, es war Freitagabend und Sven + Froggy trafen bei mir ein. Schnell die Sachen verstaut und ab Richtung Norden! Alles ganz unkompliziert, na ja, wenn mein Skipper nicht ein kleines Problemchen mit ganz großen Schiffen gehabt hätte. Aber auch eine Fährfahrt ging schnell vorbei und gegen Morgen erreichten wir das Angelcamp von Jürgen Willig in Ronneby.

Tag 1: Angeln im Halbschlaf 29.03.2008
Angelhütte beziehen, oder zumindest notdürftig die Klamotten ausladen, Boot trailern und ab aufs Wasser. Ok, noch kurz ein Frühstück mit Jürgen, aber dann aufs Wasser. Am Steg entdeckten wir das „Sturmboot Hawk“ und wussten, dass es auch die anderen Angler ernst meinten! Svens Bötchen Froggy erwies sich als absolut treues Pferdchen für die flachen Schären – dank Navi und EMotor navigierten wir zielsicher von Bucht zu Bucht. Am Ende blieb es jedoch bei zwei Hechten trotz eigentlich vielversprechenden Bedingungen und unermüdlichem Angeln im Halbschlaf. Am Abend fielen wir dann auch direkt in den Tiefschlaf, Sven verbrachte einen Teil der Nacht sogar mit einem Heizlüfter unter der Decke…
  




Tag 2: Im Papagei-Jerkbait-Fever 30.03.2008
Hatte ich gestern noch auf meine Gummifische vertraut, sollte ich heute eines Besseren belehrt werden. Sven knüpfte wohl überlegt einen „Papagei-Jerk“ an seinen Karabiner. Dieser Köder war ein absoluter Geheimtipp Good morning Vietnam Begrüßungshechtlein 3 und wurde später auch noch ehrfürchtig „Perchhunter-Buster“ oder „Ziervogel-Jerk“ genannt. Nun gut, der Tag startete wie gewohnt in Buchten unter ein Meter Wassertiefe.



Die Aktivität der Fische war zwar immer noch sehr verhalten, doch Sven erarbeitete sich mit seiner Jerkrute vier Hechte bis 97cm, während ich nach zwei vergeigten Attacken leider schneiderte. Nun ja, man kann ruhig ein wenig bockig sein, sollte dann aber auch aus Niederlagen lernen. So begutachtete ich Svens Ersatz- Jerke zunächst etwas zynisch, dann aber doch mit der Gewissheit, morgen zum ersten Mal in meinem Leben mit einem solchen Teil auch zu fischen! Den Abend verbrachten wir in unserer etwas spartanischen, doch geräumigen und mittlerweile sehr wohnlich eingerichteten Blockhütte mit Top Seeblick. Da kann auch mal eine Scheibe zu Bruch gehen oder kurzzeitig der Strom ausfallen – Jürgen war stets sofort zur Stelle und alles war in Kürze repariert  Auch bekamen wir immer ne Menge ehrliche Tipps wo die Big Mamas zurzeit wohl stehen würden. Bei manch anderen Angelcampbetreibern und Guides sieht das anders aus!

Tag 3: „Hast du nur Eine?“ 31.03.2008



Hatte man sich erstmal an die Multirolle gewöhnt, fische es sich damit wirklich richtig gut! Schnelles Angeln, kein Bügelumklappen, präzise Würfe an die Schilfkante und ab und an mal ne kleine Schnurperücke. Doch dann preschte der erste Hecht auf den Jerk (auch lila-grau fängt!) und ich war hin und weg… Die Wassertemperaturen stiegen, wir fanden bereits Buchten mit über 8°C Wassertemperatur. Ab und zu mal ein Hecht. Wir beschlossen, das Revier etwas weiträumiger zu wechseln und trafen auf der offenen Ostsee auf eine ungewöhnlich lange und hohe Welle. An einigen Riffen schäumte das Wasser empor. Klammheimlich streifte sich Sven eine Schwimmweste über, ich schaute ihn etwas kleinlaut an: „Hast du nur eine?“ „Nein – aber immerhin haben wir einen Hecht!“ Am Ende wurde es uns zu wild, das Leben war wichtiger als die vermutete Big Mama hinter der Landzunge. Bis zum Abend konnte jeder drei Fische überlisten. Immerhin, die erste Jerk-Lehrstunde war bestanden. Hecht mit Papagei im Maul



Knapp am Meter dran: Sven mit 97er Hechtdame

…und noch ein 90er hinterher

Jerken ist toll


Tag 4: Platzhirsche im Küstennebel 01.04.2008





Wir bemühten uns wirklich, doch die Bissfrequenz wollte einfach nicht steigen. Zum Teil pflügten unsere Jerks stundenlang ohne jegliche Reaktion durchs Wasser. Dann biss ganz unverhofft der „Platzhirsch“ einer riesengroßen Bucht – es schien so, als wenn hier jeder Schniepel ein riesiges Revier bewachen würde. Nachdem wir vier Hechte überlistet hatten, tauchte ganz unverhofft dichter Seenebel auf. Die Sicht war gleich Null, die Fische wollten auch nicht mehr. In dieser Situation freut man sich so richtig über den Kartenplotter!

Tag 5: Svens Mama 02.04.2008
Svens Mama konnte superleckere Lunchpakete zusammenstellen. Aber darum ging es an dieser Stelle nicht. Beten zu den Hechtgöttern Jerk + Hakenzange volley inhaliert Hechtmama mit 110cm
Erste Bucht, erster Stopp, erster Fisch: Sven überlistet den ersten Meter - und mit 110cm sogar ein richtig guter! Zu unserer Überraschung hatte das Tier sogar schon abgelaicht.



Irgendetwas war hier durcheinander. Unsere Motivation stieg kurzzeitig rapide an. Doch bis zum Abend konnte ich nur noch einen einzigen Platzhirsch überlisten, absolut keine weiteren Attacken mehr! Im Camp wurde dann hin und her telefoniert, beratschlagt und abgewägt. Einen Tag nach Västervik zum Testangeln fahren? Gleich buchen? Hier bleiben? Uns fiel die Entscheidung schwer, doch wir hielten es letztendlich für das Beste, kein weiteres Geld + Zeit in das zähe Unterfangen zu investieren. In der nächsten Woche sollten die Tageshöchsttemperaturen auf 3°C abfallen. Morgen sollte es beim letzten Angeltag bleiben.

Tag 6: Jerk-Kurs beendet 03.04.2008
Tja, es kommt oft anders im Leben als man denkt. Faule Hechte sind schwer zum Beißen zu überreden. In anderen Situation kommt man hingegen auch ganz ohne Papagei aus. Zunächst begann aber alles wie immer. Tolle Buchten, nunmehr bis fast 10°C warm.



Noch bessere Jerkbewegungen im Wasser, doch diesmal absolut nichts. Das Wetter war ruhig, wir fuhren ein Stückchen weiter. Auch hier nicht einmal ein Platzhirsch. Spaß hatten wir dennoch, in der Kategorie sarkastische Sprüche waren wir mittlerweile gut geübt. Eine Bucht noch. Unsere Motivation war auf dem Tiefpunkt angelangt. Rücken und Handgelenke schmerzten. Leise pirschte sich der Elektromotor durch das seichte Wasser. Der Wind trieb es auflandig in einen Schilfgürtel. Mein Jerk klatschte genau in eine kleine Lücke. Ein paar Züge, dann schäumte es auf dem Wasser und mein Gegner brachte immer mehr Druck auf die Jerkrute.



Behäbig flüchtete er unter dem Boot hinweg, doch allmählich konnte ich ihn heranpumpen. Als der Schädel das erste Mal auftauchte, rief ich nach dem Kescher. Sven beförderte das Tier gekonnt für den Fototermin ins Boot.
Was für ein Hecht auf Jerk! Ich war außer mir vor Schärenbucht Unverhoffter Hechtdrill

Na geht doch!



Freude und konnte noch gar nicht glauben, was da noch so in letzter Minute geschehen war. Die prächtig fette Hechtdame maß stolze 117cm und durfte dann auch sofort wieder in ihr Element zurück, hatte sie doch noch nicht abgelaicht. Super, am Ende hatten wir also doch noch beide gemetert. Dennoch war bei uns jetzt die Luft komplett raus. Der Jerk-Kurs war erfolgreich abgeschlossen, vielen Dank noch einmal an meinen Master! Doch unser Entschluss sollte bestehen bleiben. Nach einigen Würfen machten wir uns auf den Weg ins Camp und
packten unsere Sachen.


Big Pike mit 117cm

Die Abreise 04.04.2008
Mit etwas gemischten Gefühlen traten wir die Heimreise an. So richtig meckern konnten wir ja nun auch nicht mehr, fürs Weitermachten fehlte uns dennoch das Durchhaltevermögen. Was soll’s, die Angeltage werden unter besseren Bedingungen nachgeholt.

Fazit
Lag es am fehlenden Eis? Oder an uns? Macht sich der Klimawandel tatsächlich schon bemerkbar oder hatten wir nur ungünstiges Wetter erwischt? Am Revier konnte es jedenfalls nicht liegen, wurde hier doch letztes Jahr richtig gut gefangen, und auch dieses Jahr kam nahezu jeden Tag ein Meter aus dem Wasser. Aber auf 4-5 Boote war das eben nicht berauschend. Bemerkenswert dabei aber, welch fette Hechte hier in den südlicheren Schwedenschären im superflachen Wasser zu fangen sind! Wir würden die Situation im Auge behalten, die Berichte späterer Touren abwarten und hoffen, dass es im Mai auf den Bodden richtig kracht!

catch…