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Costa Rica

Angelreise nach Costa Rica 06

Welcome to the jungle

LEX, 05.11.07

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Am 15. Februar sind wir ( meine Freundin und ich ) nach 18 harten Stunden endlich am Flughafen von San Jose angekommen. Wir mussten um dorthin zu gelangen 2 mal das Flugzeug wechseln ( Wien – Amsterdam – Miami – San Jose ) und was das bedeutet , wenn man mit Ruten und Angelgepäck über die USA einreisen muß , brauche ich wohl nicht zu erklären . Mit der Terrorausrede Nr.1 wird man schikaniert , dass sich die Balken biegen ; der Alptraum pur. Aber was tut man nicht alles um dem Winter für kurze Zeit zu entfliehen. :


 
  
Also Zähne zusammenbeissen und durch. Wir verbrachten eine ruhige Nacht bei einem bekannten Deutschen ( waren ja nicht das erste Mal dort ) in Alajuela um am nächsten Tag die erste Hürde am Weg zum Angelhimmel zu nehmen. Das Besorgen einer offiziellen Angellizenz .Aufgestanden , den Mietwagen abgeholt und mit den spärlichen Informationen aus dem Internet ausgerüstet ab in eine Nationalbank von Costa Rica um ein Deposit von 45 USD zu tätigen ( Preis für eine Generallizenz für ganz Costa Rica – Freshwater und Saltwater – gilt für 2 Monate ). Allerdings war ich der erste in dieser Bank , der jemals von einer Angellizenz gesprochen hatte. Somit dauerte es ca. 1,5 Stunden ,und unzählige Telefonate bis ich endlich die Adresse des Amtes hatte , für das der Geldbetrag hinterlegt wurde. Allright – ab zum costaricanischen Fischeramt – muahahah –halb spanisch und englisch fragten wir uns durch und haben es tatsächlich geschafft nach 2 Stunden Autofahrt dort anzukommen , irgendwo versteckt zwischen riesigen Fischhallen , zu denen die Lieferungen der Schiffe gebracht wurden . Drinnen gähnende Leere … war wohl Siesta , tja also warten bis wer auftaucht. Doch auch der Sludge hat hin und wieder mal Glück und schon nach 20 min kam ein Beamter hereingeschlendert , dem ich dann mit Händen und Füßen erklärte , warum ich wohl hier sei. Aber es hat funktioniert und so konnte ich endlich die offizielle Angellizenz von Costa Rica mein Eigen nennen.
 
Somit war der Tag erledigt und nach einem guten Abendessen legten wir uns auf die Ohren um am nächsten Tag unsere Reise anzutreten.
1. Station Laguna de Arenal :Nach 4 Stunden Autofahrt über teils asphaltierte und schlammige Pisten erreichten wir La Fortuna , ein Örtchen direkt am Vulkan Arenal ( einer der aktivsten Vulkane der Welt – letzter Ausbruch 1996 ) und quartierten uns dort ein. Den Nachmittag verbrachten wir im nahegelegenen Nationalpark wo ich auch schon mal den Arenal Stausee sondierte , um am nächsten Tag endlich meine Ruten auswerfen zu können.
In der Früh am nächsten Morgen ging es gleich los , hin zum ersten vermeintlichen Hotspot der Guapote ( Regenbogenbarsch bis 7 kg ) . Und es ging …. nichts….nächster Platz usw.
 
 
 
2 Tage lang lebte ich nur von einigen Nachläufern. Fangen konnte ich keinen Einzigen.Wie ihr euch vorstellen könnt , war ich nicht gerade erbaut über meinen anglerischen Start in diesem Land. Nichts desto trotz war es wunderschönes Stück Erde , dass ich nicht vergessen werde. Die Niederlage war schnell vergessen , da nun einer meiner Träume immer näher rückte . Das Angeln am berüchtigten Cano Negro – dem riesigen, fast unberührtenSumpfgebiet an der Grenze zu Nicaragua. 2. Station Lago Cano Negro 90 km Piste Inter Americana mit mannsgrossen Schlaglöchern führten uns endlich an das Ziel. Im Internet hatte ich einen Schweizer ausgemacht , der im Nationalpark eine kleine Fishing Lodge führte , bei der wir uns auch niederließen. Mauro – „the Garman“ wurde er genannt.
Und das schien nicht übertrieben zu sein . An seiner Bar zeugten Trophäen und Fotos von riesigen Tropical and Alligator Gars , Snooks und Tarpons. Hier war ich richtig .Bei ein paar Bieren erklärte er mir die natürlichen ökologischen Zusammenhänge des riesigen Gebietes und förderte meine Gier endlich fischen zu gehen. Wie er allerdings dann meint e , dass wohl jetzt die schlechteste Zeit zum Fischen sei , da der Spiegel des Cano Negro in der Trockenzeit auf 1m gefallen sei , und die meisten Fische in die Flüsse gezogen waren , ist mir das Lachen vergangen. War wohl wieder ein Griff ins Braune , aber bitte , selber schuld , hätte mich auch besser informieren können. Egal . Wie wir alle wissen , die Hoffnung stirbt zuletzt , und so begann ich am späten Nachmittag ein bisschen die nähere Umgebung zu erkunden.
 
   
In den nächsten 3 Tagen fuhren wir mit dem Boot auch in den Rio Frio um die Chance auf einen Biss zu steigern ( es wurde ausschließlich mit Kunstködern gefischt ) . Ich jedoch hab mich natürlich nicht lumpen lassen und habe alleine am Nachmittag immer auch noch mit kleinen Köderfischen mein Glück versucht.
War es wieder soweit ? Schneider vom Cano Negro heimzufahren ? Nein – ha. Am letzten Tag hatten wir 3 Hammerbisse , von denen ich einen verwerten konnte und einen guten „Tropical Gar“ an Land zwingen konnte. Alles war vergessen – ich hatte meinen ersten Fisch – und keinen Schlechten. Sludge was back! 
 
   
 
   
Die Erleichterung und das Lösen der Anspannung war fast zu riechen. Nun konnte es in aller Ruhe weitergehen.
3.Station Golfo de Santa Elena Wieder bestens gelaunt ging es nun an die Pazifikküste im Nordwesten des Landes um auch die Meeresangelei ein wenig kennenzulernen.
In La Cruz angekommen musste ich jedoch feststellen , dass das Gamefishing wohl nur äußerst betuchten Menschen vorbehalten war , da es bei Preisen um die 800USD am Tag nicht gerade für meine Geldbörse in Frage kam. Verdammt – EAT THE RICH ! Hätte schon mal gerne einen Sailfish oder Marlin aus den Tiefen gedrillt. Aber was solls – so sind wir ein Stückchen nach Norden weitergefahren und ließen uns bei einem anderen ausgewanderten Schweizer nieder , der eine Finca mitten im Urwald sein Eigen nennen durfte .
Unsere Behausung war eine kleine Hütte direkt an einem wunderschönen Fluß – dem Rio Sapoa. Beim gemeinsamen Abendessen erzählte er mir von Frank und Peter , 2 deutschen Extremtauchern die wohl auch ein kleineres Boot hätten und hin und wieder auch zum Angeln aufs Meer fuhren. Wohl gemerkt nur Inshore. Er meinte er könnte mir bei denen anrufen , da die Beiden sicherlich nicht so teuer waren wie die ansässigen Amerikaner und für Tauchtouren und Walbeobachtungen ( ca. 3 Stunden )auch nicht mehr als ca. 150 USD verlangten. Das war es mir schon wert – wie oft käme ich zu so einer Chance.Gesagt getan und ich bekam sofort am nächsten Tag meine 4 Stunden Inshore Fishing um 140 USD. Meine Freundin zahlte bereitwillig die Hälfte , da sie ja auch Delphine zu Gesicht bekam und somit war der Spaß für mich für 70 USD zu haben. Yes !Morgens montierte ich erstmals meine Shimao Beastmaster Bootsrute und ab ging es an den Strand zu den beiden Deutschen. Frank und Peter waren zwei wirklich verwegene Haudegen , wie man es sofort auf den ersten Blick erkennen konnte.
Sofort war ich mit den Beiden auf einer Wellenlänge und es stand einer lustigen Ausfahrt nichts mehr im Wege . Was mich allerdings verwunderte war , dass beide gekleidet waren , wie man es sonst nur von Bildern der Fischer aus der Nordsee kannte. Dicke wasserdichte Overalls , die an diesem Platz der Erde unangebracht schienen. Meine Freundin und ich kamen uns mit kurzer Hose , T-Shirt und Baseballkappe ein wenig deplaziert vor. Nach 5 min Bootsfahrt war mir einiges klar. 2m hohe Wellen , Windgeschwindigkeit zwischen 80 und 90 kmh ( El Diablo nannten sie das nette Lüftchen ) ., sorgten dafür , dass wir innerhalb kürzester Zeit bis auf die Unterhose nass waren und natürlich froren wie die Schlosshunde. Aber Sludge und Gemahlin waren harte Gesellen und so hieß es einfach wie im Rocky Film : Keine Schmerzen !Nach ca. einer halben Stunde Fahrt kamen wir in etwas ruhigere Gewässer und das Angeln konnte beginnen. Es wurden vier Ruten ausgelegt , die mit großen ca. 25 – 30cm Rappalas bestückt waren und hinter dem Boot in unterschiedlichen Schnurabständen nachgezogen wurden. Schleppen für Erwachsene also. Die Meesfischer nennen diese Art der Angelei „Trolling“ .
OK – wieder was gelernt. Dann der erste Biss – die Schnur wurde mit einer Geschwindigkeit von der Rolle gerissen , als wenn Neptun persönlich am anderen Ende seine Hände im Spiel hatte. Peter nahm die Penn aus der Halterung und drückte mir die Rute mit einem breiten Grinsen in die zitternden Hände. So eine Multirolle kannte ich nur vom ersten Teil des „weissen Hai“. Anschlag – bamm – ich dachte im ersten Moment ich hätte einen hausgroßen Felsen gehakt und begann zu versuchen , meinen Widersacher am anderen Ende heranzupumpen. Keine Chance. RRRRRRRRRRRR – wieder wurden ca. 60m von der Rolle gerissen.
 
  
10min harter Kampf , dann der Alptraum , den wir alle kennen – der Widerstand war mit einem Ruck verschwunden. Damned – ich hatte ihn verloren. Peter meinte mit einem verschmitzten Lächeln : „war wohl ein kleiner Wahoo“ – Kleiner ? Bist du deppat – wie mussten erst die Großen sein ? Eine Stunde tat sich nichts , wir beobachteten die Fregattvögel und Pelikane , die sich als ausgezeichneter Indikator in der Meeresfischerei herausstellten , da sie immer über Fischschwärmen ihr Runden drehten. Und wo Fische waren , waren auch Räuber. Endlich hatten wir wieder einen Schwarm ausgemacht , und fuhren direkt hindurch. Rechts und links vom Boot spritzten die ca. 30cm langen heringsartigen Fische aus dem Wasser , wie vom Teufel verfolgt. Dann wieder – Musik in meinen Ohren – RRRRRRRRR – deja vue.
Die Schnur zischte von der Rolle – ich nahm die Rute – Anschlag 1 – bamm – Anschlag 2 – bamm . Der hing – ha – 250m Schnur waren ungefähr von der Rolle abgespult.Ich begann meinen Kampf erneut . Pumpen – kurbeln – pumpen – kurbeln , immer abwechselnd – meine Unterarme begannen zu brennen , die Angst den Fisch wieder zu verlieren machte sich breit.
Nur nicht nachlassen , nur nicht die Spannung zum Fisch verlieren. Nur keinen Fehler machen. Und dann sah ich ihn zum ersten mal unter der Wasseroberfläche blitzen – ca. 40m entfernt. „Jack!“ tönte es hinter mir. Ich forcierte meine Bemühungen , doch das war mein Fehler – wieder riss der Bursche 40 bis 50m von der Penn Multi. Und mein Rhythmus begann von vorn – pumpen – kurbeln – pumpen usw. 20 min später und mit brennenden Unterarmmuskeln hatte ich es endlich geschafft und mein erster Meeresfisch konnte gegafft ins Boot gehoben werden. So groß , wie ich gedacht habe , war der Bursche gar nicht und doch hatte er mich schön ins Schwitzen gebracht. Hut ab vor seiner Leistung. Das war also ein Crevalle Jack. 
 
  
Leider waren die 4 Stunden viel zu schnell vergangen und wir machten uns auf die Rückreise.Der erfolgreiche Tag wurde mit ein paar Bieren und einem fantastisch schmeckenden Crevalle Jack beendet und ich behalte die beiden netten Burschen mit ihrem kleinen Boot in bester Erinnerung .
 
Das war eine feine Sache gewesen. Station 4 Rio Sapoa :Da nun auch mein Meeresangelgeist befriedigt war , und ich am nächsten Tag noch einen Strandtag mit meiner Freundin einlegte , bei dem ich noch einen kleinen Kugelfisch vom Strand aus erbeutete , um dann mit Quallenkontakt und einem Stachelrochenstich im Knöchel ( 4 Stunden höllische Schmerzen )verabschiedet zu werden , hatte sich das Meer für mich erledigt . Also ausspannen an unserem Hausfluß – dem Rio Sapoa – der ca. 15m unter unserer Hütte langsam vorbeigurgelte. Ich begann ein wenig die Gegend zu erkunden , um vielleicht einige Fische auszumachen. Hier also wollten wir auf jeden Fall die letzte Woche unseres Urlaubes verbringen. Da stimmte einfach alles – ich konnte in Ruhe vor der Haustüre fischen , meine Freundin konnte in der Hängematte liegend die Brüllaffen beobachten und ich hatte immer ein kaltes Getränk , wann immer ich es wollte. Ein Traum also. Und ich machte mich auf die Jagd.
 
Jeglicher Spinnversuch blieb erfolglos und so ging ich zurück zum guten alten Grundangeln und Posenfischen mit den Ködern , die ich auftreiben konnte oder zur Verfügung hatte – das waren Raupen , Käfer , Dosenmais , Heuschrecken , Spinnen und anderes Kleingetier. Ich fing vorerst einige „Bobos“ , eine kleine Welsart , die aber nicht größer als 30cm wird mit der Grundrute. 
 
Nachdem mich jedoch die allgegenwärtigen Flußkrabben and der Grundrute zur Weißglut gebracht hatten , verzichtete ich von nun ab auf die Grundangelei und forcierte mein Angeln mit der Pose. Nun konnten einige Buntbarscharten von mir gefangen werden , die von den Einheimischen„Zapote“ und „Mocharra“ genannt wurden.
 
 
Die Angelei auf die Burschen machte wirklich Spaß und der ortsansässige Waschbär freute sich ebenfalls hin und wieder über einen Leckerbissen. Ansonsten drehen alle gefangenen Barsche heute wieder ihre Runden im Rio Sapoa. Wieder saß ich am Ufer und köderte eine Heuschrecke an , warf aus und zack – der Schwimmer war weg – dezenter Anhieb – kurzer Widerstand – und die Montage kam mir entgegen.Allerdings fehlten die ersten 10cm des 0,18er Vorfachs – seltsam dachte ich mir und weiter nicht drüber nach. Am Abend erzählte ich den Vorfall einem einheimischen Arbeiter auf der Finca , der nickte lächelnd und meinte , ganz klar „ Machaca“. Ein Fisch , der mit den Piranhas verwandt war und gelegentlich in diesem Flußabschnitt auftauchte. Er erklärte mir noch , dass diese Fische bis 3,5 kg und 50 cm haben könnten. Uhhh – das war natürlich was anderes als die Barsche und meine Neugier war geweckt.
So einen wollte ich haben.Nächster Tag , neues Glück. Ich wusste , dass ich den Abbiss mit einer Heuschrecke hervorgerufen hatte , und fing mir in der nächsten Stunde einen guten Vorrat an Heuschrecken , um die Jagd auf den mysteriösen Machaca einzublasen. Motiviert setzte ich mich ans Ufer und begann zu fischen. Weit werfen brauchte ich nicht , der Fluß war an dieser Stelle vielleicht 15m breit , somit konnte ich mit leichten Crystal Wagglern jede gewünschte Stelle erreichen. Ich monierte zur Sicherheit ein stärkeres 0,25er Vorfach und wartete auf den ersten Biss der nicht lange auf sich warten ließ. Kurzer Drill – tschack – Vorfach abgebissen. Unglaublich – aber sie waren da. Ich verlor keine Zeit und wechselte auf 0,30er Vorfach. Einwurf , Pose wieder sofort weg – sanfter Anhieb und der hing. JAAAA! 
 
Nach einem kurzen Drill hatte ich ihn an der Uferkante und konnte ihn erstmals sehen. Ja , das musste einer sein. Da ich jedoch aus Platzmangel keinen Kescher mitgenommen hatte , war das Landen kein Zuckerschlecken , zudem die Uferkante etwa einen Meter über dem Wasserspiegel lag. Naja , der war vielleicht 25cm groß – also konnte ich ihn einfach mit der Rute herausheben. Dachte ich . Kaum aus dem Wasser sah ich wie in Zeitlupe , wie er einfach das 0,30er abbiss und zurück ins Wasser fiel . NEIN ! Wieder keiner an Land. Doch die Show ging weiter. Nächster Biss , etwas größerer Fisch – um die 30cm. Diesmal ( aus Schaden wird man klug ) habe ich einfach die Böschung runtergegriffen und ihn mit der Hand aus dem Wasser genommen. Haha – ich hatte einen. Ich rief nach meiner Freundin um ein Foto zu schießen . Die kam die Böschung runter und ich platzierte mich siegessicher vor dem Fluß im Hintergrund. Hielt ihn mit beiden Händen – sie meinte die Sonne stünde schlecht (Gegenlicht)und sollte mich doch in die andere Richtung stellen. Na gut – mach ich doch , will ja auch , dass man den Fisch gut erkennt.
In dem Augenblick als sie den Auslöser drückt , macht der Machaca einen schnellen Zappler , springt mir aus den Händen und ich sehe mit schreckensgeweitetem Auge wie er hüpfend Richtung Wasser hinter der Uferböschung verschwindet. Das gibt’s doch nicht – ich mag nicht wiederholen , welche Ausdrücke mir in dem Moment über die Lippen kamen . Sie war schuld , hatte zu lange mit dem Foto gewartet usw. In dieser Minute musste meine Freundin wohl , glaub ich für die alle vergeigten Fische der letzten 10 Jahre verbal herhalten , obwohl sie eigentlich überhaupt nichts dafür konnte. Damit hatte ich es mir auch noch mit ihr verscherzt.
 
Etwas gereizt saß ich nun am Wasser um besessen meine Jagd fortzuführen. Wieder ständige Abbisse , obwohl ich schon auf 0,35er Vorfach umgestiegen war. Jetzt reichte es mir endgültig. Ich montierte ein Kevlarvorfach. Einwurf – nichts. Kein Biss mehr – was war los ? Entweder sie waren weg oder verdammt vorsichtig . Also wieder retour aufs 0,35er. Einwurf – tschack – Pose weg – Abbiss. Ich wurde wahnsinnig , musste mir was einfallen lassen. Und dann hatte ich den Einfall , wie Wicky in seinen besten Zeiten. Ich zog über ein 0,25er Vorfach auf den ersten 8 cm ein Stück Schrumpfschlauch , den ich mit einem Bleischrot daran hinderte , hinaufzurutschen. Das Bleischrot war sowieso von Vorteil , da die Heuschrecken nicht sanken sondern auftrieben.
Und jetzt war der Spaß vorbei – diesmal allerdings nicht für mich sondern für die Machacas .In der nächsten Stunde konnte ich 2 Gute fangen , die allerdings nichts von 3 kg Monstern hatten , aber das war mir egal. Ich hatte sie überlistet und das genügte mir.
 
   
 
 
Nun war ich befriedigt und konnte nach einer ordentlichen Entschuldigung auch die Wogen mit meiner Freundin wieder glätten. Alles war doch noch positiv geworden.Der letzte Tag brach an , und ich wollte schon meine Ruten wieder im Transportrohr verstauen , um mich auf die Rückreise vorzubereiten. Isabella ( meine Freundin ) meinte jedoch , ich solle doch noch ein bisschen fischen , da daheim vermutlich sowieso noch kein Angelwetter herrsche , um es noch ein wenig auszunutzen. Ja sie hatte recht. Also zog ich wieder mit meinen Heuschrecken und meiner Machacamontage runter zum Wasser und vielleicht noch dem einen oder anderen Burschen zu zeigen , wer der Herr hier am Fluß wäre.Die ersten paar Heuschrecken wurden mir von Haken gefressen , dann konnte ich noch einen 30er fangen und hatte noch exakt eine fette Heuschrecke über. Ahnungslos zog ich sie auf den Haken und beförderte sie mit einer ungewohnten Lässigkeit ca. 6m vom Ufer entfernt ins Wasser. Der Waggler tänzelte kurz und war plötzlich weg . Als ich anschlug , war das nicht so wie sonst.
Die Bremse meiner kleinen Okuma Rolle war sehr leicht eingestellt und mein Gegenüber zog mir meterweise die Schnur von der Kleinen. Was war da los ? Ich stoppte ihn in einiger Entfernung und begann ihn vorsichtig zu drillen. Das musste ein Großer sein. Vom Gefühl fast wie ein kleiner Karpfen , aber um Ecken spritziger. Platsch , und er schoß einen Meter aus dem Wasser – WOW ! Das war ein GROSSER ! Und was für ein Monster – der musste ca. einen halben Meter haben. Nach einigen Fluchten und Sprüngen schaffte ich es dann , ihn ans Ufer zu holen . Den konnte ich auf keinen Fall mit der Rute ans Land ziehen. Den musste ich mit der Hand landen. Und so beugte ich mich über die Böschung um ihn zu packen , zog das Vorfach leicht über die Oberfläche um ihn hinter den Kiemen besser erwischen zu können . Doch dann passierte es . Was die anderen nicht konnten gelang Diesem. Er biss mein Vorfach samt Schrumpfschlauch einfach durch , platschte zurück ins Wasser und taumelte unter das unterspülte Ufer. Ich griff nach , konnte ihn am Schwanz packen und genau in dem Moment gab die Uferbefestigung nach und ich ging komplett baden.
Mit beiden Händen griff ich unter die Kante und konnte ihn wie durch ein Wunder genau am Gaumen packen. Jaaaaa – ich hatte ihn und ließ ihn nicht mehr los. Wieder aus dem Wasser sah ich erst genau , was ich für einen Fang gemacht hatte. Er war groß , schwer und sah zum fürchten aus. In der Zwischenzeit war auch der einheimische Arbeiter auf mich aufmerksam geworden und war zum Fluß runtergekommen. Als er den Fisch sah , griff sich an die Stirn , sah zum Himmel und sagte : „Machaca , muy ,muy grande!“ So einen hatte er noch nicht gesehen . Der Fisch maß exact 55cm und die costaricanische Farmwaage zeigte 3,9 kg. Glücklicherweise wurde diese gesamte Aktion von meiner toleranten Freundin ( großes Lob an dieser Stelle an sie ) dokumentiert.
 
   
 
   
 
   
  
 
 
Beim späterer Recherche stellte sich heraus , der internationale IGFA Weltrekord für diese Arte bei 4 kg liegt und ich ihn somit fast gebrochen hätte. Aber das sind nur Zahlen und können dieses Erlebnis durch nichts ersetzen.
Am Abend packten wir unsere Sachen und ich schlief , so gut wie lange nicht mehr , ein. Der nächste Tag brachte wieder die obligaten Schindereien der amerikanischen Flughafenbehörde , welche mich nun aber nicht mehr aufregen konnten , und ich 16 Stunden später Wien erreichte und feststellte , dass sich am Wetter leider nichts geändert hatte. Von 28°C heißem Urwald zurück in ein leicht schneebedecktes 2°C kaltes Wien. Doch die Erinnerungen an diesen Urlaub werden mich noch solange wärmen , bis ich auch hier ausziehen kann , um unsere Monster zu bezwingen.
 
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sludgE